Weshalb ein Klimacamp?

handeln

Dass Aufklärung, dass das richtige Argument am richtigen Ort, dass Information, Wissen und Reflexion Waffen gegen die Gleichgültigkeit sind, – und das wissen wir alle – stimmt nicht. Wir wissen es, weil wir selbst anschauliche Beispiele dafür waren oder sind. Am Anfang war die Tat. Handeln ist der Weg zur politischen Bildung, Handeln ist der Weg zu einem Begriff von Gerechtigkeit. Es gibt keine Waffe gegen die Gleichgültigkeit der Anderen und vielleicht gibt es überhaupt kein Mittel gegen Gleichgültigkeit, das in unseren Händen liegt. Aber es gibt ein Mittel für Verantwortung und Teilhabe. Das Klimacamp ist zwar – und darum wissen wir – ein kleiner künstlicher Raum aber es ist eine Tat und als Täter*innen und Handelnde, also als die, die wir sind und waren und sein sollten, können wir uns dort sehen lernen. Und das ist der Anfang.

Gemeinschaftsbildung

Wir planen und besuchen das Klimacamp nicht, um danach wieder alleine in vermeintlichen Alltags- und Denkzwängen dazustehen sondern diese als Gruppe zu überwinden. Wir finden und schaffen uns eine Gemeinschaft von Garanten unseres freien Raums. Gegenüber alltäglichen Herausforderungen und Hürden, sind wir viel besser gewappnet, wenn wir uns zusammentun und uns solidarisch in unseren Zielen unterstützen. Es gibt keine dummen Fragen und niemandem muss etwas peinlich sein. Jeder Mensch geht uns als Mensch etwas an und jeder Teil des Planeten als Teil des Planeten. Wir lernen uns kennen uns wachsen zusammen, indem wir neue Freundschaften und Bündnisse schließen. Wir lernen uns selbst, unsere Bedürfnisse und unsere Mitmenschen mit ihren Bedürfnissen kennen. Das große Ziel der Klimagerechtigkeit erreichen wir nur als Gemeinschaft und die Teilhabe an einer solchen beginnt hier und jetzt, indem wir uns in die Augen schauen und verstehen: Wir müssen nicht alleine sein, hätten niemals alleine sein müssen und werden niemals alleine sein.


Vernetzung

Es gibt bereits sehr viele aktive Gruppierungen innerhalb der Klimagerechtigkeitsbewegung. Wir wollen zu der Möglichkeit beitragen, sich einander vorzustellen und kennenzulernen. Als Gruppen können voneinander Lernen, Erfahrungen, Wissen und Perspektiven austauschen, gemeinsame Strategien und Ziele entwickeln und Aktionen planen. Wir sehen aber auch die vielen einzelnen Menschen, die sich zwar im Bereich der Umwelt- und Klimagerechtigkeitsbewegung – engagieren würden aber in ihrem persönlichen Umfeld keine Menschen kennen, mit denen sie sich zusammentun und Banden bilden können. Also lasst uns einen Raum dafür schaffen, neue Gruppen entstehen zu sehen: Vernetzung unter den Gruppen zu einer integrierteren Bewegung und Vernetzung einzelner Individuen zu bestehenden oder neuen Gruppen.


Aktionsschulungen

Klimagerechtigkeit ist Handarbeit! Zwar müssen wir alle daran arbeiten unser eigenes Leben ökologischer zu gestalten, aber das reicht bei weitem nicht, um die Gemeinschaft der aktuellen Lebensformen auf dem Planeten zu retten. Wir müssen auch unsere Mitmenschen und die Zentren der Macht wie Politik und Wirtschaft zum Wandel bewegen.

Hierfür gibt es ein breites Arsenal an Handlungsmöglichkeiten aus dem Bereich der direkten Aktion. Direkte Aktionen können entweder darauf abzielen Dinge sofort in Eigenarbeit zu verändern – wie zum Beispiel einen Kohlebagger zu sabotieren, sie können aber auch darauf abzielen andere Menschen zum nachdenken anzuregen – wie zum Beispiel durch das Platzieren von Bannern mit Parolen an exponierten oder symbolischen Stellen, im öffentlichen Raum, Flashmobs oder auch verstecktem („subversivem“) Straßentheater und Clownerie. Direkte Aktionen sind in verschiedensten Stufen zwischen pazifistisch und militant, öffentlich und versteckt möglich und können sich damit auch in verschiedensten legalisierten und nicht legalisierten rechtlichen Räumen verorten. Welche Art von Aktion und welcher Grad an Radikalität notwendig ist, kann niemals pauschal im Voraus beantwortet werden, sondern hängt immer von den jeweiligen Zielen und Umständen der bestimmten Aktion sowie von Kapazität und Bereitschaft der durchführenden Personen ab.

Auf dem Camp soll die Möglichkeit für Alle bestehen, sich einen Überblick über verschiedene Facetten direkter Aktionen zu verschaffen und selber erfinderisch zu werden. Für die meisten direkten Aktionen braucht es nur einfache Mittel und Phantasie, Organisation und Solidarität. Wo das nicht zutrifft, wollen wir auch gleich das nötige Handwerk erlernen um handlungsfähig zu werden: Aktionsklettern, das Fertigen von robusten Bannern, das Fertigen von Lock-Ons, Theaterinszenierungen und vieles mehr.

Egal wie friedlich oder militant die gewählten Aktionen am Ende ausfallen: Meistens werden Aktivisti so oder so vor, während und nach der Aktion mit Repressionen verschiedenster Intensität konfrontiert. Das reicht von der Möglichkeit der Bespitzelung z.B bei der Planung, über Platzverweise, mündliche Drohungen und Diffamierungen durch Polizist*innen bis hin zu Bußgeldern oder sogar Gefängnisstrafen und Gewalt durch Polizei und Konsorten bei Ordnungswidrigkeiten und Straftaten. Welche Mittel uns zur Verfügung stehen, uns als Aktivist*innen gegen Repression äußerlich zur Wehr zu setzten aber auch innerlich zu wappnen ist daher essentieller Teil eines jeden direct-action Trainings!


http://www.Klimacamp-Chiemsee.de